Pressestimmen
22.08.2003
Farbe auf Zeit: Das wechselnde Autokleid
Farbe auf Zeit: Das wechselnde Autokleid
Meist ist das Vollverkleben von Fahrzeugen ein Zusatz zur klassischen Werbetechnik. Bei INTAX ist es umgekehrt. Das Oldenburger Unternehmen beweist, dass das Fahrzeug-Vollverkleben ein vollwertiges Standbein sein kann
Die Nachfrage ist da, die Folienhersteller reagieren und Großhändler bieten sie an: Seminare und Workshops zum Teil- und Vollverkleben von Fahrzeugen. Bis in die Neunziger Jahre wurde das großflächige Verkleben von Fahrzeugen selten gefragt. Nicht zuletzt deswegen, weil die Folien noch nicht ausgreift waren, um dauerhaft in Sicken und auf Rundungen zu halten und um sich gleichzeitig später gut ablösen zu lassen. Doch der Reiz wuchs, einem Auto öfter mal ein vollständig neues Kleid zu schneidern. Das Lackieren von Fahrzeugen, das im Vergleich zum Folienverkleben teuer und aufwändig ist, bekam Konkurrenz.
Eines der ersten Unternehmen, die mit dem Vollverkleben von Fahrzeugen groß geworden sind, ist INTAX aus Oldenburg: ursprünglich ein Mietwagenunternehmen. Mitte der Neunziger Jahre will der Inhaber Jörg Hatscher seinen Fuhrpark neu gestalten. Die Oberteile der Fahrzeuge sollen dunkelrot sein, die Unterteile hellbeige. Anfangs lackiert Jörg Hatscher die Autos in den Wunschfarben. Doch kostet das zum einen mehr als gewollt. Zum anderen lassen sich die in den Sonderfarben lackierten Fahrzeuge schwer wieder verkaufen. Deswegen sucht er nach einer Alternative und verklebt die obere Hälfte der Autos mit dunkelroter, die untere Hälfte in hellbeigefarbener Folie: Die Fahrzeug-Komplett-Verklebung ist geboren und ebenso das Unternehmen „Intax Innovative Fahrzeuglösungen“. Wie immer bei neuen Techniken klappt auch bei Jörg Hatscher das Folienvollverkleben nicht auf Anhieb reibungslos. Die zunächst verwendeten kalandrierten Folien lösen sich aus den Sicken. Die teureren gegossenen Folien haften zwar besser, hinterlassen jedoch beim Ablösen starke Klebereste auf dem Autolack.
Ein Auto so zu verkleben, dass die Folie über jeder Rundung haftet und sich dennoch nach Monaten oder Jahren gut ablösen lässt, fordert neben einer ausgereiften Folie geschickte Folierer. Sie müssen die Folie erwärmen, im richtigen Moment ziehen, andrücken und rakeln. Geduld und Sauberkeit gehören ebenfalls dazu. Damals wie heute sind die Verkleber gezwungen, eigene Techniken zu entwickeln oder erprobte Tipps anzuwenden, auch wenn dank verbesserter Folien das Verkleben und Lösen mittlerweile meist leichter von der Hand geht.
Bessere Folie:
gesucht & entwickelt
Jörg Hatscher belässt es jedoch nicht dabei, mit seinen Mitarbeitern Techniken zum Vollverkleben zu entwickeln. Er will herausfinden, wie sich die Folien verbessern lassen. Er nimmt mit dem belgischen Hersteller MACtac Kontakt auf, der daraufhin in Kooperation mit INTAX die Folie folioCar Q4 entwickelt, die INTAX heute exklusiv vertreibt. Sie erfüllt laut Jörg Hatscher die wichtigsten Kriterien, um sich gut verkleben zu lassen: Der Glanzgrad ist sehr hoch, der Werbetechniker/Folierer kann sie trotz einer Stärke von einhundert Mikrometern gut formen, die folioCar-Q4-Folie lässt sich trocken ohne Trennmittel verarbeiten und sie ist nach Jahren rückstandsfrei wieder vom Autolack entfernbar. Die Stärke von einhundert Mikrometern hat den Vorteil, dass die Folie Steinschläge gut abhält und den darunter liegenden Lack auch gegen Kratzer und Verwitterung schützt. Deswegen eignet sich die transparente Variante zum farblosen Schutz teurer Fabrikate.
Mittlerweile bieten neben MACtac viele andere Folienhersteller wie 3M, Orafol und Avery Dennison PVC-Folien in kaum denkbar vielen Farben an. Kaum ein Kleber haftet wie der andere, die Stärke variiert in der Regel zwischen 50 und 100 Mikrometern, mit der Heißluftpistole erwärmt, verhalten sie sich unterschiedlich.
Die Branche
wächst weiter
Der Schritt von Jörg Hatscher, über das Vollverkleben in die Werbetechnik einzusteigen, hat sich gelohnt. Denn mittlerweile beschäftigt Intax knapp 50 Mitarbeiter. Der Dienstleister gehört zu den Marktführern der Vollverklebebranche und verklebt pro Jahr mehrere Tausend Fahrzeuge in Serie. Laut Jörg Hatscher kommt derzeit jedes vierte in Deutschland neu zugelassene Taxi durch INTAX foliert aus Oldenburg. Außerdem stattet INTAX das Innere der Taxis, die sich immer wieder zu einem normalen Fahrzeug rückrüsten lassen, mit Taxametern oder Funkanlagen aus. Als erster größerer Kunde beauftragt der Fahrzeughersteller Mazda Deutschland den Dienstleister, Fahrzeuge in Serie in der Taxifarbe vollzuverkleben und taxispezifisch umzurüsten. Zu weiteren Autoherstellern, mit denen INTAX zusammenarbeitet, zählen Alfa Romeo, Citroen, Fiat, Ford, Hyundai, Kia, Lancia, Nissan, Peugeot, Renault, Skoda und Toyota. Das Oldenburger Unternehmen verklebt die Automodelle nach dem Prinzip der verlängerten Werkbank. Das bedeutet, dass die Hersteller das Verkleben und Umrüsten der Autos aus den eigentlichen Produktionsstätten ausgelagert haben. Die Autohersteller schließen das Verkleben und das Umrüsten eines Neuwagens in die Werksgarantie ein.
Der Geschäftsführer von Intax schätzt, dass die Vollverklebebranche in den nächsten Jahren um das Doppelte wachsen wird, da bereits kleine wie große Unternehmen die Firmenautos mit dem Corporate Identity in Folie ausgestattet haben oder ausstatten werden. Um bundesweit die Marke folioCar zu präsentieren, baut das Oldenburger Unternehmen in Deutschland ein Netz von folioCar-Fachhändlern auf, welche Unfallreparaturen ausführen und regionale Aufträge übernehmen können. INTAX schult die Partnerbetriebe und lässt ihnen die Möglichkeit, das Verkleben frei zu vermarkten. Bei INTAX beginnen die Preise für das einfarbige Vollverkleben eines Mittelklasse-Modells bei rund 900 Euro. Zusatzwünsche wie das Bekleben der Stoßstange, Zierleisten oder der Außenspiegel kosten extra.
Klassische
Fahrzeugwerbung
Obwohl Intax mit dem Vollverkleben in den Werbetechnikmarkt eingestiegen ist, bietet das Unternehmen heute ebenso klassische Dienstleistungen an. Aufgrund von Kundenanfragen ergänzen das Fahrzeugbeschriften und folglich der Digital- und der Siebdruck das Leistungsspektrum. Für Intax war der Weg über das Vollverkleben zum breitgefächerten Angebot der richtige. Für klassische Werbetechnikbetriebe könnte sich der umgekehrte Weg lohnen.
Weitere Infos
www.foliocar.de
www.intax.de